Österliche Tage im Pflegezentrum

Tage wie alle anderen auch? Mitnichten, denn Rosemarie und ihre guten Geister sagten sich, warum sollten unsere Bewohner, wenn sie am Palmsonntag schon nicht wie die Kinder und jung gebliebenen Erwachsenen mit „Palmbuschen“ in die Kirche einziehen können, sich nicht genau so freuen können? Und so trafen sich Grete, Martha, Rita und Rosemarie mit etlichen noch fingerfertigen Seniorinnen des Hauses zum Palmbüschelbinden. Palmkatzerln und Buchsbaum brachte man mit und alles Übrige ergab sich von selbst. Erinnerungen wurden ausgetauscht, man dachte an frühere Zeiten, an das strenge Fasten in der Karwoche, an die Anbetungsstunden, das Aufstellen des heiligen Grabes, an das Ratschen und die dabei aufgesagten Sprüche, natürlich auch an die Fleischweihe und dass das Osterfleisch erst nach der Auferstehungsfeier gegessen werden durfte.

„Die alten Palmbuschen durften nicht weggeworfen werden, sondern wurden verbrannt, denn der Rauch bringt Segen, ein paar Zweige im Herd angezündet schützen vor Gewitter und vor Krankheit“, wusste eine Obersteirerin zu erzählen. Sie hatte in jungen Jahren noch als Bauer-Magd ihr Brot verdient. Eine andere Dame sagte: „Ih hätt gern a klans Palmbüscherl, das hat bei meim Kreuz grad Platz, des brauch ich, auf das schau ih“ Auch auf den Bericht aus der Hl. Schrift vom Einzug Jesu am  
im Pflegezentrum

Palmsonntag in Jerusalem wurde andächtig hingehört und das „Hoch, hoch, Hosanna, Jesus unser König kommt“, wird freudig mitgesungen. Und so vergaß man beim Erzählen und Singen seine vielen kleinen und großen Schmerzen und fühlte sich wie ehedem. Die Zeit war viel zu schnell vergangen. Alle Zweigerln und Asterln waren zu kleinen Büscheln gebunden und konnten beim Palmsonntaggottesdienst geweiht werden.

Ostern, das Fest der Auferstehung, wurde am Dienstag nach dem Weißen Sonntag nachgefeiert. Dazu hatte Frau Weis, die Heimleiterin, mit schön gestalteten Plakaten eingeladen. Dass der Gottesdienst musikalisch begleitet wurde, stimmte besonders froh. Umso freudiger erklang das Lied „Der Heiland ist erstanden“! Das Evangelium von der Begegnung der Jünger mit Jesus auf dem Weg nach Emmaus und das Erkennen des auferstandenen Herrn im Brotbrechen berührte die Herzen.

In die Tiefe und Ausdruckskraft dieser frohen Botschaft fühlten sich alle mit hineingenommen. Der Empfang des Leibes Christi in der Hl. Kommunion ließ die trostvolle Verheißung spürbar werden: „Herr, du bist da, wenn sich unser Tag neigt und es in unserm Leben Abend wird.“ Nach der Stärkung für die Seele freuten wir uns bei der anschließenden Agape über das von Rosemarie frisch gebackene Osterbrot, und wer sich traute, über einen Schluck Wein. Und siehe da, bei der Rückkehr auf die Zimmer fiel das Warten auf den Lift gleich leichter.